Des Meisters Hammer
Was sind schon 200 PS wenn man derer 350 haben könnte? Was ist schon eine pfeilschnelle Tausender, wenn sich mit einem 6,7 Litern-V2 sogar 360 km/h realisieren lassen?
Als Clemens Leonhardt sagt, "Ich bau mir ein Motorrad." hatte dieser Spruch In der Customizing - Szene allerdings kaum mehr etwas Sensationelles, allerdings muss man nach einer solchen Aussage immer extrem hellhörig werden.
Clemens Leonhardt, Chef von Leonhardt Performance Racing Parts, zählt zu dieser Spezies. Er ist ein Mann, der die Schule des Fahrzeugbaus von der Pike auf gelernt hat. Einer, der sein Geld heute vorrangig durch Fahrwerks- und Motorrevisionen von Rennfahrzeugen verdient. Dabei spielt es keine Rolle, ob man seiner Firma einen Vorkriegs-Renner oder einen aktuellen GT3-Porsche anvertraut.
Auch die Harley-Klientel nimmt die Fähigkeiten seines Unternehmens regelmäßig in Anspruch. Dort ist spezialisiert auf Rahmen - Änderungen, Hinterrad- Schwingen oder Tank- und Öltank-Einzelanfertigungen. Der Boss sieht das auch gerne, denn Clemens` Wurzeln wurden mit Zweiradöl und Benzin gewässert. Vom BMW-Motorradversuch über seine Tage bei und mit Friedel Münch in Ossenheim und Altenstadt, zu Meisterbrief und Selbstständigkeit mit englischen Motorrädern - sein Werdegang war immer von Bikes geleitet. Ergänzend kam eine Lehre als Flugzeugbauer in der Schweiz hinzu, was ihn schließlich auch noch befähigte, in der Luftfahrt zu bauen.
Ein maßstabsgerechter Vergleich zur wahrlich nicht gerade schmächtigen Harley Davidson verdeutlicht die gewaltigen Ausmaße der Gunbus.
Maßnahme:
Die Suppenteller großen Kolben des 6,7 Liter-V2 messen im Durchmesser stramme 156 Millimeter. Dabei legen sie mit jedem Hub einen Marsch von 176 mm zurück. Bei der angegebenen Nenndrehzahl von 2.800 U/min ergibt sich daraus eines mittlere Kolbengeschwindigkeit von geschmeidigen 16,46 m/s. Je zwei Zündkerzen pro Zylinder bringen den Dinosaurier zum Beben und die Welt zum Zittern.
Es ist schon einige Zeit her, da kam Clemens beim Anblick eines Flugzeugreifens auf die Idee, beide Leidenschaften zu verknüpfen. Es keimte der Gedanke an ein Eigenbau-Motorrad in ihm. Ein Motorrad mit außergewöhnlichen Dimensionen. Die danach erstellte 1:1 Zeichnung, unter Verwendung der Maße zweier Flugzeugreifen, machte deutlich, dass kein normaler Harley-Davidson Motor die Lücke zwischen Vorder- und Hinterrad füllen konnte. Auch keiner mit zweieinhalb Litern Hubraum.
Ein V8-Motor, wie bei der Boss Hoss, schien allerdings zu klotzig. Und irgendwie sollte ja auch noch mehr Verwandtschaft zum Flugzeug ins Konzept einfließen. Da kam ihm die Erinnerung an die BMW-Sternmotoren aus dem Zweiten Weltkrieg. Die gibt's in Lizenz gefertigt auch heute noch. Davon die Zylinder und Köpfe - wie bei einer Harley in 45° V2-Anordnung - auf einem Eigenbau-Kurbelgehäuse? Es ergab sich ein machbarer Hubraum von 6.728 cm³. Zunächst am Reißbrett geplant, verbündeten sich die greifbaren Komponenten mit einem neu erdachten Gehäuse, einer Kurbelwelle und, statt der üblichen Nockenwelle, mit einer Nockenscheibe zur Ventilsteuerung, wie sie sonst bei Sternmotoren üblich ist. Ein massives Getriebe dahinter, einen Rohrrahmen und eine steife Trapezgabel, beide aus Rohrstücken geschweißt. Nicht alles muss neu erschaffen werden: Federbeine, Schrauben, Ketten und Beleuchtung werden Zulieferteile sein. Außerdem die Michelin-Reifen. Die sind von einer Boeing und für Geschwindigkeitsbereiche zugelassen, in die Clemens Leonhardts Custombike - elektronisch abgeregelt - gar nicht vordringen wird. Auch die zu erwartenden Drehmomentstöße sowie Geräusch- und Abgasemissionen werden mittels spezieller Elektronik aus dem Automobil-Rennsport in Grenzen bleiben.
Alle Zulassungsfragen wurden schon im Vorfeld mit dem TÜV geklärt. Mittlerweile ist eine ganze Reihe an Bauteilen schon verwirklicht. Das Kurbelgehäuse aus Alu beispielsweise, nach einem Prototypen aus geschweißten Stahlplatten gegossen. Oder die Stahlguss-Kurbelwelle mit aus dem Vollen gefrästen Pleuelstangen. Und das Getriebe, für das die Innereien in einer Zahnradfabrik nach Zeichnung entstanden. Sogar die Räder müssten, während dieser Bericht in Druck geht, schon fertig sein. Clemens ist ein Fan der klassischen Trapezgabel: "Vom Ansprechverhalten ist eine Trapezgabel die beste Lösung und ein Muss, zumal einfach keine Telegabeln in diesen Dimensionen lieferbar sind.
Rein von der mechanischen Herstellung gesehen, ist eine Trapezgabel leichter zu realisieren!" Das 108 Millimeter dicke Rahmenrückgrat fungiert gleichzeitig als Ölbehälter für die Trockensumpfschmierung. Leonhardt bemühte die Kreativität von Kraft Design u. Illustration zur visuellen Demonstration. Einige Retuschen wird es noch geben. Die Primärübersetzung soll entgegen der Zeichnung von einer Duplex-Kette vorgenommen werden und selbstverständlich kommen auch entsprechende Abdeckungen über Kette und Luft-Ansaugtrichter.
Dieses Motorrad verleiht Begriffen wie „Größe” oder „Leistung” eine völlig neue Bedeutung. Ein Anblick, der fasziniert!
Die Fertigung
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Die Technik
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Technische Daten
Motor:
2-Zylinder, V-Anordnung
Zylinderwinkel: 45°
Hub: 176 mm
Bohrung Ø: 156 mm
Hubraum: 6728 cm³ 410 cubic inch .
Verdichtungsverhältnis: 8,7:1
Max. Drehmoment: 710 Nm bei 1900 U/min.
Getriebe:
Sequentielles 3-Gang-Geriebe mit Rückwärtsgang
Kupplung:
3-Scheiben Sintermetall Trockenkupplung
Ø 140 mm, Betätigung hydraulisch
Antrieb:
Primärantrieb: Duplex - Rollenkette 1"x17"
Sekundärantrieb: Einfach – Rollenkette 1"x17"
Fahrgestell:
Rahmen: Stahlrohr, 25CrMo4, WIG - verschweißt
Lenkkopfwinkel: 65°
Trapezgabel: Stahlrohr, 25CrMo4
Gemischaufbereitung:
2 Einzel-Drosselklappen, Ø 70 mm
sequentielle Kraftstoffeinspritzung, Lambda geregelt
Katalysator, Doppelzündung
elektronisches Motormanagement mit abschaltbarer Schlupfregelung
Bereifung:
vorne: Ø 38", Breite 11", Hersteller RIGDON
hinten: Ø 42", Breite 15", Hersteller RIGDON
Bremsanlage:
vorne: zwei Scheiben, Ø 310 mm
hinten: eine Scheibe, Ø 310 mm
Schmierung:
Trockensumpfschmierung
Maße und Gewichte:
Länge gesamt: 3450 mm
Radstand: 2410 mm
Höhe gesamt: 1480 mm
Sitzhöhe: 800 mm
Gewicht, leer: 650 kg
Praxis
Höchstgeschwindigkeit elektr. abgeriegelt bei 360 km/h, Kraftstoff Normalbenzin
Preis: ca. XXX.000 Euro
Das Desing
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