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Die Neander 1400 das schärfste Motorrad seit Werner fährt mit Dieselöl

Beinhart wie'n Rocker

 

Die Neander 1 400

 

Das schärfste Motorrad seit Werner fährt mit Dieselöl

 

Es gibt sie noch, die bösen Buben jenseits der Vierzig. Und in Kürze wird es für diese Spezies auch das passende Zweirad geben.

Die Neander 1400:

 

Das ist ein 280 Kilogramm schwerer Renn-Chopper mit über 100 PS "und einem Motor, wie es ihn bislang noch nicht gab", sagt Lutz Lester, der einst Werner-Filme für das untergegangene Achterbahn-Imperium produzierte. Heute ist der 41-Jährige Vertriebschef der Kieler Neander Motors und auf dem besten Wege, seine zweirädrigen Comic-Helden tatsächlich auf die Straße zu bringen. Das beinharte Riesentrumm mit fetten Puschen und brachialem Aussehen braucht zum Durchstarten allerdings nicht Bölkstoff, sondern jenen Treibstoff, bei dessen Erwähnung sich die Mundwinkel jedes Bikers in Richtung Fußrasten ziehen. Diesel!

 

Der Neander-Diesel ist jedoch nicht irgendein Selbstzünder. In dem 1,4-Liter-Common-Rail hämmern zwei Stahlkolben über zwei Kurbelwellen. Die Idee ist dazu ist über 100 Jahre alt. Die moderne Motorenkonzeption stammt von dem Bayern Rupert Baindl. Mit ihm tat sich Neander Motors vor mittlerweile fünf Jahren zusammen, um einen Zwei-Zylinder-Turbodiesel für den Neander-Rennchopper zu realisieren. Drei Jahre schraubten, tüftelten und entwickelten hochqualifizierte Spezialisten aus dem Rennsport bis der erste Prototyp auf den Prüfstand gebracht werden konnte. Ein Motor, den die Fachwelt vorher in dieser Form nicht für möglich gehalten hatte. Im klobigen Motorblock des Twins sitzen zwei fette Bohrungen, in denen zwei Kolben stampfen und jeweils zwei Pleuel in ebenfalls zwei Kurbelwellen stemmen. Mit extrem geringen Vibrationen entsteht so ein Drehmoment, das mit 172 Newtonmetern derzeit die Weltspitze bei Motorrädern markiert. Im niedertourigen Bereich ergibt das einen "Bumms von unten raus, dass es einem die Socken auszieht", schwärmt Neander-Vertriebschef Lester.

 

Dass sich von BMW bis Yamaha bislang kein großer Motorradhersteller an einem Diesel-Bike versucht hatte, hat handfeste Gründe. Denn wegen starker Vibrationen galten kompakte und zugleich starke Turbodiesel als Schüttelaggregate, die man unmöglich in einen Motorradrahmen mit seiner relativ starren Aufhängung einbauen konnte.

 

Mittlerweile erwärmen sich jedoch selbst Fachleute für die Kieler Dampframme. An der FH München forscht Prof. Werner Bauer vom Fachbereich Maschinenbau mit einem ganzen Team von angehenden Ingenieuren an der Verbesserung der Neanderkonstruktion. In enger Zusammenarbeit mit dem Neander-Motorenentwicklungsteam wird außerdem an der Optimierung der Bosch-Einspritzanlage gearbeitet. Erst kürzlich hat Bosch anstelle der bisherigen Sechslocheinspritzdüsen exklusiv für Neander neue Achtlochdüsen entwickelt. Diese ermöglichen es, eine größere Menge Diesel-Luftgemischs in die Brennräume zu führen und so Kraft und Motorleistung nochmals zu erhöhen. Bei ersten Testläufen wurden bereits bei 3 200 Touren brutale 215 Nm Drehmoment gemessen. Genug, um den fetten Metzeler-Marathon-Hinterradreifen Spurrillen in den Asphalt fräsen zu lassen, wenn ein Fahrer etwas zu ungestüm am Gasgriff dreht.

 

Doch nicht nur der Hammerantrieb lässt Fahrspaß pur erhoffen. Auch dass zusammen mit Fahrerlegende Martin Wimmer entwickelte Fahrwerk mit Rennchoppergeometrie soll, so Neander-Mann Lester, "für das Segment Maßstäbe setzen". Demnächst wird das Vorderrad sogar von einer Teleskop-Vierrohrgabel geführt. Auch das ist eine Weltneuheit.

 

Die Neander 1 400 bietet also jede Menge Exklusivität, die sich natürlich auch auf dem Preisschild ablesen lässt. 68 500 Euro stehen dort. Dafür bekommt man laut Neanderwerbung aber auch ein "Motorrad fürs Leben". In wenigen Wochen soll der Produktionsbeginn einer Kleinserie von 50 Exemplaren beginnen. Es ist nie zu spät für eine glückliche Jugend.

 

Technische Daten:

TURBODIESEL

 

Vier Pleuel an zwei Kolben

 

Einen solchen Motor gibt es nicht noch einmal. Der 1,4-Liter-Zweizylinder-Common-Rail-Turbodiesel hat je Kolben zwei Pleuel, die zwei gegenläufig rotierende Kurbelwellen antreiben. Der Effekt: Durch die gegenläufigen Bewegungen werden Kreiselmomente eliminiert und Vibrationen minimiert. Mehr als 200 Newtonmeter und 100 PS stellt der Diesel zur Verfügung und soll sich im Schnitt mit etwa 4,5 Litern Diesel je 100 Kilometer genügen. Damit dürfte das Tempolimit jenseits der 200 liegen. Der Radstand misst gigantische 1,95 Meter.

 

Hier der Prototyp

Hier eine Bildergalerie vom Prototyp-Aufbau

Hier Fertigstellung

Hier eine Bildergalerie von der Fertigung bis zum Roll Out

Berichte der Neander 1400
Neander Literatur.pdf
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In den 1920 Jahren gab es schon mal die Neander, von Ernst Neumann-Neander!