Lageplan
Rekonstruktion einer mittelalterlichen
Turmhügelburg (Motte)
im Nienthal von Lütjenburg
1. Bauabschnitt
2002/2003
Mit Hilfe der Europäischen Union und des Landes
Schleswig-Holstein entstand im Rahmeneines archäologischen Experimentes die authentische Rekonstruktion einer Turmhügelburg. Burgen dieses Typs wurden im 11. bis 14. Jahrhundert von deutschen
Siedlern im östlichen Schleswig-Holstein errichtet, um slawische Siedlungsgebiete zu besetzen und zinspflichtig zu machen. Allein in den Kreisen Plön und Ostholstein wurden Überreste von ca. 100
"Motten", wie diese Burgen auch genannt wurden, gefunden. Um dieses interessante Segment heimischer Geschichte anschaulich darstellen zu können, wurde im Rahmen einer Vergabe-ABM eine
solche Burganlage rekonstruiert. Als Vorlage dienten der Teppich von Bayeux.
Teppich von Bayeux
Ausgrabungen in der unmittelbaren Umgebung und der Glockenturm in
Norderbrarup aus dem Jahr 1461. Bei der Rekonstruktion wurde großer Wert auf Detailtreue gelegt. Es wurden ausschließlich handgeschmiedete Nägel, handgestrichene Dachziegel aus Kohlebrand und
naturbelassenes bebeiltes Eichenholz verwandt. Die Vergabe-ABM wurde in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt Kiel durchgeführt.
Bauherr: Stadt Lütjenburg
Ausführende Firma: Franz Schwalbe KG
Technische Daten
Bodenaushub, Burggraben: 1.900 m3;
Kies liefern und einbauen in den Burghügel: 1.150 m3;
Bau von 170 m Wall der Vorburg: 1.600 m3;
Bodenabfuhr zur Kippe 1.450 m3;
Eichenholz für die Burg und die Brücke 71 m3;
handgeschmiedete Nägel 5.700 St;
handgestrichene Dachpfannen Mönch u. Nonne 2.240 St.
Eindrücke während der Bauphase
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So ab den 10. Jahrhundert nach der Eroberung des slawischen Wagriens, befestigten Adlige ihren Wohnsitz mit Ringwall und Wassergraben (Turmhügelburgen).
Man errichtete die Turmhügelburgen am Rande eines Tales oder einer feuchten Senke. Der Hügel wurde aus Material der Umgebung aufgeschüttet. Erst wenn er zu zwei Drittel fertig gewesen war, habe man den Turm draufgesetzt. „Danach wurde er mit dem weiteren Bodenaushub aufgeschüttet, damit er gesichert war und nicht mehr umkippen konnte. Er wurde eingemottet.“ Nach dem französischen Wort „la motte“ (Erdaushub) wurden die Turmhügelburgen auch „Motten“ genannt. Sie dienten in Schleswig-Holstein vor allem der Verteidigung. Der mehrstöckige Wohnturm wurde je nach vorhandenem Material aus Holz, Ziegel und Stein errichtet. Der Eingang war über der Erde und konnte nur durch eine Leiter erreicht werden. Vom Turm aus waren herannahende Feinde gut zu erkennen und zu bekämpfen.
Zu einer Turmhügelburg gehörte meist eine Vorburg, die sowohl als Wirtschaftshof für die gesamte Anlage, aber auch für militärische Zwecke diente. Geschützt war das Ganze durch Wall, Wassergraben und Palisaden, wobei der Aushub zum Aufschichten eines Walles verwendet wurde.
Bilder Galerie Turmhügelburg
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Kapelle für die Lütjenburger Turmhügelburganlage
Kapelle. Als letztes größeres und für die Burganlage wichtiges Gebäude wird südlich des Wohnhauses des Ritters eine Kapelle entstehen. Im MA, zur Zeit der Christianisierung, war es üblich, dass der Ritter seine eigene Kapelle hatte. Kapellen aus dieser Zeit finden wir heute noch im Herzogtum Lauenburg. Und so wurde sich, was die Art der Bauweise betrifft, auf die Kapellen von Fuhlenhagen, Grambek und Schwanbek bezogen. Richard Haupt ist der Ansicht, dass Kapellen in dieser Zeit nur in Fachwerk gebaut wurden, und so soll sie auch auf der Lütjenburger Turmhügelburganlage fertig gestellt werden. Das sakrales Gebäude, 9 x / 5,50 m, soll in Ständerbauweise mit einer Zier-Backstein-Ausfachung gebaut. Durch ein größeres Fenster an der Ostseite und jeweils zwei kleineren in den Seitenwänden soll der Innenraum erhellt. Das etwa 45° steile Dach soll mit Mönch- und Nonneziegeln abgedeckt. Der Eintritt wird durch eine Tür auf der westlichen Giebelseite erfolgen. Es werden sowohl Gottesdienste als auch Trauungen in dieser Kapelle geplant. Eine von Vereinsmitgliedern hergestellte bronzene Glocke wird in einem separat stehendem hölzernen Glockenturm aufgehängt und zu besonderen Anlässen läuten.
Die Kapelle von Fuhlenhagen geht als Vorlage
Der Ausbau geht in die Endphase
Die Kapelle wurde am Frühlingsanfang 2009 gerichtet. Das Ständerwerk aus stolzen 23 Kubikmeter Eichenholz steht, die Richtkrone weht weithin sichtbar im Wind. Wetterabhängig werden die Maurer bereits in den nächsten Tagen mit einer Zier-Backstein-Ausfachung aus Klosterformat Handstrichziegel beginnen, die Holzkonstruktion auszufachen. Als Geschenk erhielt die Burg zum Richtfest eine kleine mittelalterliche Spendendose, die jemand im Internet gefunden hat - Wir sagen herzlichen Dank. Parallel soll der Bau des großen Eingangstores beginnen. Es wird ein zweiflügeliges Tor mit einer kleinen Fluchttür werden. Zusätzlich wird die kleine Brücke über den Bach, bisher ein Provisorium, neu gestaltet. All dies soll bis zum Pfingstlager fertig werden. Wenn die Erdarbeiten hinter der Kirche dann erledigt sind und der Wall geschlossen ist, wird dort das neue Bienenhaus für den Zeidler der Burg entstehen. Vorgesehen ist auch, dass eine Töpferin mit ihrer Töpferscheibe ins Wirtschaftsgebäude einzieht. Auch rund um die Burg wird sich noch einiges tun. Auf allgemeinen Wunsch werden wir die WC-Anlagen ausbauen. Die Stadt Lütjenburg plant zudem, die Zufahrtsstraße im Sommer neu anzulegen und auszubauen.
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